Der vorige Artikel von Günther Wassenaar zeigt sehr anschaulich, wie wichtig es ist, einander genau zuzuhören und festzustellen, wer WIR sind.
Erst einmal enthält der Artikel mehrere Aussagen, die ich auf keinen Fall mittragen würde. Dies sind alle die, die sich direkt auf Stalin beziehen. Es lohnt auch nicht, sich über einzelnen Quellen zu streiten: Man darf heute fast jede Lüge und Verdrehung verbreiten und abschreiben … da hat Günther methodisch zutiefst Recht: Es ist sehr hilfreich nach jenem “Wem nützt es” zu fragen. Das schützt vor den meisten Verirrungen. Allerdings ist ein Mensch nicht davor geschützt, in mehr oder minder tiefer Überzeugung, das Richtige zu tun, unmenschlich zu handeln und seiner eigenen Sache zu schaden.
Aber wichtiger ist eine Kernaussage von Günthers Überlegungen: Ich lese aus seinem Artikel die Annahme heraus, unter Stalin hätte es “Kommunismus” gegeben oder zumindest, wir wären ihm praktisch näher gewesen als zu allen anderen Zeiten. Ich will nicht darüber diskutieren, welche der Stalin zugeschriebenen Greuel nicht wahr gewesen sind. Ich stelle auch nicht in Abrede, dass zu Stalins Zeiten besonders viel über “Kommunismus” geredet worden ist. Aber der Grundgedanke meiner Betrachtung zum Kommunismus ist eben, dass damals nicht nur kein Kommunismus war, sondern auch keiner sein konnte. Wahrhaft kommunistische Verhältnisse sind leider erst dann möglich, wenn auf der Welt keine Bedingungen mehr bestehen, die faschistische möglich machen. Ein “Staat”, dessen wichtigstes Produkt zu einem bestimmten Zeitpunkt T 34-Panzer waren und dessen wichtigste Forschung die Brechung eines feindlichen Atombombenmonopols kann beim besten Willen nur ein pervertierter Auswuchs dessen sein, was Marx, Engels und Lenin als Ziel gesehen haben. Da müsste ich sagen, wer diesen Zwischenzustand lobt – bei aller seiner Notwendigkeit – nützt den Verteidigern des Kapitalismus. Das Lobenswerte ist der Aufschwung des Sowjetlandes TROTZ seiner Klassenkampfkosten.
Die Gedanken, mit denen Günther seine These des “Umerziehens” verteidigt, halte ich aber wiederum für zu wichtig als sie in Zusammenhang mit einem verstorbenen Stalin zu sehen. Wer “BILD dir deine Meinung” sagt, (ver)bildet bereits die Meinung derer, die dies lesen. “Meinungen” werden nämlich vorsätzlich und scheinbar vorsatzlos ”gebildet”. Da wir immer nur Wahrheitsstücken aufnehmen können, ist jedes Stückchen bereits eingebettet in benutzte und vorhandene Vorurteile. Wir stehen heute vor einer unter gegebenen Bedingungen nicht abschließend lösbaren Aufgabe: menschlichen Verstand von seiner Primitivierung durch kapitalistische Verhältnisse zu befreien. Die Lösung kann nur marxistisch erfolgen, radikal: durch die weltweite Änderung der Eigentums- und damit der Machtverhältnisse als Ganzes.
Kommunismus ist machbar? Das ist nur ein Stück der Frage. Kommunismus muss gewollt werden – weil er vernünftig und unumgänglich zu Fortbestand des menschlichen Lebens auf der Erde ist.Also denken wir gut darüber nach, was uns daran hindern könnte, ihn zu wollen.
Letztlich zu den Fehlern, die wir (wieder) machen werden: Kommunisten brauchen den besonderen Mut, Wege begehbar zu machen, die einfach noch nicht ausgetreten sind. Das macht kleine Irrtümer wahrscheinlicher. Deshalb aber sollten wir diejenigen besonders genau betrachten, die wir schon gemacht haben. Damit wir wenigstens die nicht (zu oft) wiederholen – und niemand die Fehler auf dem Weg zum Wesen des Weges erklären kann … wenigstens nicht zu Recht …



Veröffentlicht von Günther Wassenaar am November 29, 2010 um 11:54 am
“Aber wichtiger ist eine Kernaussage von Günthers Überlegungen: Ich lese aus seinem Artikel die Annahme heraus, unter Stalin hätte es „Kommunismus“ gegeben oder zumindest, wir wären ihm praktisch näher gewesen als zu allen anderen Zeiten. Ich will nicht darüber diskutieren, welche der Stalin zugeschriebenen Greuel nicht wahr gewesen sind. Ich stelle auch nicht in Abrede, dass zu Stalins Zeiten besonders viel über „Kommunismus“ geredet worden ist. Aber der Grundgedanke meiner Betrachtung zum Kommunismus ist eben, dass damals nicht nur kein Kommunismus war, sondern auch keiner sein konnte. Wahrhaft kommunistische Verhältnisse sind leider erst dann möglich, wenn auf der Welt keine Bedingungen mehr bestehen, die faschistische möglich machen. Ein „Staat“, dessen wichtigstes Produkt zu einem bestimmten Zeitpunkt T 34-Panzer waren und dessen wichtigste Forschung die Brechung eines feindlichen Atombombenmonopols kann beim besten Willen nur ein pervertierter Auswuchs dessen sein, was Marx, Engels und Lenin als Ziel gesehen haben. Da müsste ich sagen, wer diesen Zwischenzustand lobt – bei aller seiner Notwendigkeit – nützt den Verteidigern des Kapitalismus. Das Lobenswerte ist der Aufschwung des Sowjetlandes TROTZ seiner Klassenkampfkosten.”
Zustimmen kann ich nur in einem, Kommunismus hat es bisher weder in der jungen noch in der späteren SU oder in den sozialistischen Staaten noch in Korea oder Cuba gegeben. Einen wahren Kommunismus wird es wirklich erst geben, wenn alle Bedingungen überwunden sind, die eine bürgerliche Gesellschaft, sprich kapitalistische Verhältnisse wieder entstehen lassen könnten. So lange in einigen Ländern noch Privateigentum an wichtigen Produktionsmitteln besteht, ja überhaupt Produktionsmittel in privater Hand sind, so lange wird durch die tägliche Produktion immer wieder genau dieses kapitalistische Denken produziert und so lange sind die sozialistischen Phasen noch nicht überschritten.
Diese Überlegung führt natürlich in dem oben geführten Gedankengang zu der Überlegung, wie sie schon Trotzki hatte, dass der Weg zum Kommunismus nur beschritten werden kann, wenn eine Weltrevolution zustande kommt. Wollen wir darauf warten, dass diese Bedingungen erzielt sind, so existiert die Welt nicht mehr, sonst hat der gegenwärtig voll entfesselte Imperialismus die Welt lange total zerstört.
Und wollen wir mit der Heranbildung kommunistischer Menschen erst dann beginnen, sie erst dann für den Kommunismus fit machen, dann wird dieses Ziel ebenso nie erzielt. Gerade zu Zeiten der Niederlage, zu Zeiten der Defensive der Arbeiterklasse mit ihren Verbündeten und aller friedliebenden Menschen, gerade heute ist ideologische Auseinandersetzung, ist die “Umerziehung” und somit die Weichenstellung unerläßlich. Tausende Menschen glauben der Mär der BILD und Co, …” man kann ja sowieso nichts ändern”. Gewollt wird dieser Slogen so lange wiederholt, bis er sich in den Köpfen unauslöschbar festgesetzt hat. Solche Schafe hat das Kapital am liebsten und solche Menschen können in keinen Kampf geführt werden. Schon zu Beginn der Montagsproteste habe ich klar gesagt, “Kämpfen muß man lernen” und auf meine Stadt bezogen hat sich das auch gezeigt. Leute die vorher kein Blatt ablesen konnten ohne sich zu verhaspeln, haben nach einiger Zeit frei vor dem Mikro vor vielen Menschen gesprochen ohne Scheu. Sie haben gelernt sich zu artikulieren, was die Voraussetzung für die Gewinnung von weiteren Menschen bedeutet. Auch das ist schon eine “Umerziehung”. Nicht nur das zu tun, was die Regierenden wollen oder möchten, sondern dem Widerstand entgegen zu setzen. Dazu gehört überhaupt erst die Erkenntnis, daß Politiker in einem bürgerlichen Staat nicht für die Bürger sondern für die oberen 10.000 da sind, daß sie von diesen gekaufte Subjekte sind, dass die Wahlen in der bürgerlichen “Demokratie” weit perfider gefälscht sind als es in der ehemaligen DDR je gewesen ist.
Wenn wir uns also einig darüber sind, dass es bisher zu keiner Zeit Kommunismus gegeben hat, dann waren die Staaten also auf dem Weg zum Kommunismus, dem sozialistischen Weg und der besteht in erster Linie darin, die Menschen des eigenen Landes auf den Kommunismus vorzubereiten. Dies ist trotz enormer Einmischung von Außen und trotz enormer Fehler in den eigenen Reihen bei den Menschen ein ganzes Stück erfolgreich verlaufen. Jeder wird mir zustimmen, dass die Bürger der DDR 1989 und die der BRD, zwei vollkommen unterschiedliche Menschentypen waren. Das beginnt mit dem allgemeinen Bildungsstand, über den Stand der politischen Bildung, bis hin zu vollkommen unterschiedlich ausgeprägten menschlichen Eigenschaften.
Neid, Mißgunst, Egoismus waren zwar auch bei DDR-Bürgern noch vorhanden, aber lange nicht so ausgeprägt wie er bei den Bundesbürgern gepflegt wird. Gegenseitige Hilfe, ja Solidarität untereinander waren eher Normalität. Und das, obwohl auch unter vielen Funktionären, die normalerweise Vorbildfunktionen wahrzunehmen hätten genau das Gegenteil, egoistische Positionen, auftraten, denn auch die Wahlfälschungen waren nichts anderes als egoistische Positionen – sie wollten glänzen gegenüber der jeweils höheren Ebene.
Was die Produktion von T34 betrifft, so ist es mir um derartige Produktion nicht bange, da in einem sozialistischen Betrieb an dieser Produktion keine Gewinn verknüpft ist, vor allem kein privater Gewinn. Eine Lehre des marxistischen Bereiches sagt aus, dass derjenige der die Revolution nicht zu verteidigen weiß, nicht berechtigt ist überhaupt eine durchzuführen. Mit diesen Waffen wurden keine Angriffskriege durchgeführt, sondern Aggressoren vernichtet. Schön wäre es für die Menschheit dieses Planeten, gäbe es noch eine Streitmacht, ausgerüstet mit modernsten Panzern, die den Frieden sichert. Denn erst mit Niedergang des sozialistischen Lagers ist die Kriegsgefahr derart akut geworden wie sie heute ist. Nie wurden so viele Kriegsverbrechen begangen, nie war der Willen der Völker derart bedroht wie heute. Allein dieser Unterschied der Rüstung, ob für Angriffskriege oder für die Verteidigung, kennzeichnet ein humanistisches und ein verdammungswürdiges System. Da in einer sozialistischen Gesellschaft aber kein Mensch privaten Nutzen aus der Produktion von Waffen ziehen kann ( auch bei allen Fehlern, die man ihm, dem real existierenden Sozialismus, ansonsten vorwerfen kann ), ist er diesem blutrünstigen System was gegenwärtig den Bestand der Welt gefährdet bei weitem vorzuziehen !
Veröffentlicht von Slov am November 29, 2010 um 2:11 pm
Lieber Günther,
wir kommen uns immer näher, sobald wir uns auf das Wesentliche orientieren. Allerdings hast du an meinen Darlegungen zwei Dinge missverstanden:
Das “kleinere Problem” ist das mit den T 34. Eigentlich wollte ich damit nur sagen, dass der “real existierende Sozialismus” natürlich meilenweit besser entwickelt gewesen wäre, hätte nicht die dauernde Notwendigkeit zur (im gesellschaftlichen Sinne) Vergeudung von Mitteln zur Rüstung gegeben. Dass es die gibt, solange auf der Welt jemand privatkapitalistische Macht einsetzen kann, sollte klar sein. (und dass ich als Pazifist wünschte, es gäbe die NVA noch oder wieder, damit nicht deutsche Weltherrschaftsinteressen weltweit “verteidigt” werden, ist auch fast selbstverständlich).
Komplizierter ist das Problem der “Weltrevolution”.
Ja, ich meine, in einem gewissen Sinne brauchen wir eine, richtiger: Kommen wir nicht ohne aus. Das heißt aber nicht, dass die rote Armee hätte noch bis Spanien und Amerika vorrücken sollen, sondern dass der tatsächlichen Entfaltung der umfassenden Vorzüge des Sozialismus / Kommunismus ein hoffentlich nicht ZU langer Prozess vorausgeht, in dem Volk für Volk weltweit seinen Weg aus der Entwicklungssackgasse des Kapitalismus finden muss. Da sch… ich auf Begriffe und Formen der “Transformation”. Beim einen wird man vielleicht noch an beteiligten Gewehren erkennen, aber die Wahlurne kann irgendwo dieselbe Wirkung erzielen – wenn der Rahmen stimmt. Ein Lenin musste dort anfangen, wo er anfangen konnte – er musste darauf hoffen, dass an anderer Stelle die anderen Revolutionäre ihren jeweiligen Teil bewältigen. Keiner kann alles schaffen. Insofern stimme ich dir zu: Wir müssen alle an der Stelle, an die uns “Zufälle” gestellt haben, unsere Aufgaben anpacken. Ich wollte nur gesagt haben, dass dieses Kapitel erst mit dem weltweiten Sieg sozialistischer Verhältnisse umgeschlagen werden kann.
Ja, das kann ich voll unterschreiben: Wesentliche Massen in der DDR waren in ihrem Menschsein rundum weiter entwickelt als der “normale” Mensch heute. Aber das kann der nicht verstehen. Der kennt es nämlich nicht. Ihm zu zeigen, dass und warum bereits etwas Neues zu wachsen begann, was aber einfach noch nicht reif sein konnte, ist einer der Schritte, um den Mut zu fördern, wieder neu anzufangen. Konzentrieren wir uns also auf unsere Aufgaben …