Wer GRÜN wählt, wird sich SCHWARZ ärgern (4) b 2 – Alternativen

  Zum anderen verstärkt es etwas, was nachher lautstark beklagt werden kann: die „Politikverdrossenheit“. Dieses Phänomen ist natürlich falsch benannt. Eigentlich geht es ja um die Verdrossenheit, die Wahl nur zwischen zwei sich immer mehr ähnelnden Übeln zu haben. Am eingefahrensten ist dies in den USA, wo „Demokraten“ und „Republikaner“ zwar verschiedene Kapitalgruppen bevorzugen, aber eigentlich austauschbar sind – wenn man von dem „Wagnis“ absieht, einen Präsidenten mit unkorrekter Hautfarbe ins Rennen zu schicken.

Entscheidend ist letztlich die Illusion, eine Wahl zu haben. Dabei spielt meist die Seite, die nicht die Regierung stellt, die Seite der Wünsche und die andere die der „Verantwortung“ … was dann praktisch heißt, ihr kleinen Bienchen, ihr müsst aber endlich (!) den Gürtel enger schnallen. Hin-her-hin-her …

Irgendwann muss es eigentlich passieren, dass die Masse sich als Verschiebemasse erkennt. Da muss doch noch etwas Anderes sein…???

Normalerweise führte das zur Suche nach Alternativen.

Mindestens europaweit mausert sich bereits die faschistische Alternative – letztlich also die Hoffnung, beim großen Schlagen diesmal ein größeres Stück abzugreifen.

Die Frage ist, wie lange es den Massenmedien gelingt, eine primitive aber einschmeichelnde Grundlogik in den Köpfen zu halten: sozialistisch-kommunistische wirkliche Systemalternative gleich zusammengebrochener Ostblock gleich Stasi + Securitate + Misswirtschaft. Bisher wird kaum auf linker Seite der in dieser Denkkette steckende Doppelfehler aufgedeckt, nämlich dass BEIDE Gleichsetzungen grundsätzlich falsch sind. Verbunden mit der massenweisen Furcht, tatsächlich eine grundsätzliche Alternative neu zu denken und anzupacken, legte dies einer Fortschrittsoffensive noch ausreichend hohe frontex-Mauern in den Weg. Aber historisch wäre das nur eine Frage der Zeit.

Wer GRÜN wählt, wird sich SCHWARZ ärgern (3) – b 1: Alternativen

  In gewisser Weise ließen heutige faschistoide Tendenzen heute Hoffnungen begründen … wenn doch sich die Alternativen organisierten. Wir sollten dabei auch berücksichtigen, dass wir unsere Trends aus der Sicht auf den ganzen Erdball herauslesen sollten und weniger ausgerechnet Deutschland als den Nabel der Welt betrachten.

Aber zurück zum Ausgangsproblem: Der Faschismus, die offene, die harte Tour ist eben nur eine Version des Kapitalismus. Wichtiger sind die anderen: Je mehr sich Reichtum konzentriert, umso gezielter kann er eingesetzt werden. Hierzu gehört der Kauf einflussreicher objektiver Systemgegner.

Nicht jeder Mensch ist bedingungslos käuflich. Aber es gibt keine politische Richtung, die bedingungslos gegen „Versuchungen“ gefeit wäre. Dieses Kaufen muss nicht unbedingt die unmittelbare Form eines Geldbetrages haben. Die Suggestion eigener Macht ist mindestens genauso verführerisch, ja noch verführerischer: Der Umfang der weltweit verteilbaren Macht ist begrenzter als die Geldsummen, die sich auf einer virtuellen Weltbank ansammeln könnten.

Ja, es ist eine Verführung, das eigene Selbstwertgefühl an einem der vielen Katzentische der Macht, die nach außen hin als Entscheidungsgremien präsentiert werden, der gegnerischen Seite einen kleinen Kompromiss abgehandelt zu haben. Man vergisst dabei zu gern, dass man einen realen Preis dafür bezahlt hat: Man hat die Kraft sich eventuell entwickelnder Massen in eine Stellvertreter-Demokratie verwandelt, wo man sich anmaßen darf, die Stimme eben jener Massen zu sein.

Dabei hat „Verrat“ eben viele Seiten. Und nicht jede ist so schlimm wie das Wort „Verrat“ selbst. Denn innerhalb eines Systems wird objektiv auch der zum Teil eben dieses Systems, der es bekämpft. Er legitimiert es faktisch bereits durch seine bloße Existenz: Seht, bei uns kann jeder alles sagen …

Aber gemeint ist hier natürlich der vollständige Übergang der rechten „Sozialdemokratie“ auf die Seite objektiv ausschließlicher Kapitalinteressen.

Denn die Methode ist hierbei besonders heimtückisch: Gerade die, die vorgeben, die Interessen der kleinen Leute zu vertreten, lassen sich erst an die Regierungsruder bringen, um dann auch den Abbau von Rechten und sozialen Möglichkeiten gerade derer zu betreiben, die sie angeblich vertreten.

Das wiederum bewirkt zweierlei: Zum einen das Ergebnis selbst. Sagen wir als Beispiel die „Hartz“-Gesetze. (Mir gefällt im Nachhinein der Namensbezug: Hört sich nach etwas an, das stinkt, und geht auf einen überführten Straftäter zurück.) Soll man als Alternative denn die extremeren, originären Kapitalvertreter wählen?

Wer GRÜN wählt, wird sich schwarz ärgern (2) – Eigenes: a) Faschismus als Taktik

  Die bisherige Überlegenheit des „Kapitalismus“ gegenüber dem „Sozialismus“ (zumindest in dessen bisherigen Versionen) lag nicht zuletzt in dessen Fähigkeit, zwischen taktischen Varianten zu wechseln.

Wer sich gründlich mit dem wirtschaftlichen Konstrukt dieser Gesellschaftsordnung beschäftigt hat, kommt zu dem Ergebnis, dass ihm eine politische Staatsform am genauesten, ehrlichsten, offensten entspricht: der Faschismus. Er sagt klar, es kann nur Kampf geben, an dessen Ende nur die Sieger übrig bleiben.

Das Konstrukt hat allerdings bereits einen philosophischen Mangel: Jeder Kampf, der nur die Stärkeren übrig lässt, zerstört seine eigenen Grundlagen. Irgendwann bliebe der Sieger allein … aber was wäre der Kapitalist ohne Arbeiter?

Lenin beschäftigte sich ausgiebig mit der zu Ende gedachten Konsequenz eines sich selbst ad absurdum führenden „Ultraimperialismus“. Vergessen wirs.

Müsste der „Kapitalismus“ immer und überall sein ureigenes Gesicht offenbaren, wäre er längst beseitigt, abgewirtschaftet wie jede formale faschistische Diktatur mit dem Ende ihres „Führers“.

Praktischer ist diese Methode der offenen Machtausübung als latente Reserve. Potentiell müssen noch irgendwo Kräfte am Leben gehalten werden, die zuschlagen können, wenn es ernst wird. Auch die haben verschiedene Gesichter.

Die können zum Beispiel aussehen wie GLADIO, also eine streng militärische Geheimorganisation, die für Unternehmungen im Fall „kommunistischer“ Machtübernahme getrimmt war und dieser Machtübernahme mit Anschlägen unter falscher (also roter) Flagge bereits im eigenen System nützlich war.

Die können aussehen wie eine „NPD“ oder „Kameradschaften“ und sich dabei offen auf faschistische Vorbilder berufen.

Die können aussehen wie unterschiedliche Schreckgespenster a la Thilo Sarrazin, die mit Versatzstücken faschististischen Gedankengutes der Denkfähigkeit des Durchschnittsbürgers entgegenwirken, ihn für den „offenen“ Faschismus reif klopfen.

Die können sogar aussehen wie Vertreter „normaler“ „Mitte“-Parteien, die vorgeblich Gedankengänge der „extremen Rechten“ aufnehmen, um denen potentielle Wähler vorzuenthalten … und deren Gedankengut dabei vom Stallgeruch seiner faschistischen Herkunft zu befreien.

Die können Gesichter haben, die einfach nur „Ordnung und Sicherheit“ rufen und „Wer nichts zu verbergen hat, hat doch nichts zu befürchten“, aber damit eine Gattung Untertan zu züchten versuchen, der sich selbst in vorauseilendem Gehorsam einer parafaschistischen Selbstkontrolle unterwirft.

Der politische „Diskurs“ wird im Geiste immer faschistischer, je potentiell realer Systemgefährdungen mit anderen Mitteln nicht abzuwenden sind.

Ich bin der HASS – vom Positiven der Fremdenfeindlichkeit

Nein, das sage ich gleich als erstes: Integration gegenüber bin ich skeptisch. Wer sich „integrieren“ soll, von dem verlangt man eine vorbehaltlose Anpassung, Unterordnung unter eine Gruppe. Wenn man Behinderte „integrieren“ will, verlangt man eigentlich etwas makaber Unmögliches: Sie sollen so leben wie „Normale“. Na gut, notfalls bedeutet dann Integration praktisch, dass eine Rollstuhlauffahrt gebaut wird, damit niemand einem so „eingeschränkt Mobilen“ reinhelfen muss und er nicht auffällt. Freun wir uns doch alle drüber. Der ja auch, weil er niemanden bitten muss – wie peinlich, dass er jemand bitten muss …
Und die „Fremden“, die „Ausländer“?
Ich möchte mich schon mit ihnen verständigen können. Ich möchte durchaus nicht rätseln müssen, ob die, die irgendwie wie ein … aussieht, in … angesprochen werden muss. Es ist mir wohl schon angenehm, wenn ich in meinem Heimatland deutsch mit ihm reden kann – weil der das kann. Das ist erste Höflichkeit. Ein bisschen werde ich nervös dabei … Ich sollte dann als höflicher Mensch im Urlaub auch etwas Gastlandsprache können. Kann ich leicht vorher lernen.
Aber warum soll ein Inder, Iraner, Vietnamese usw. ein besserer „Deutscher“ sein als ich?
Fremdenfeindlichkeit beginnt eigentlich bei etwas sehr Positivem: Dem Menschen als gesellschaftlichen Gruppenwesen. Jeder vernünftige Mensch möchte „dazugehören“. Und durch dieses „Dazugehören“ möchte er nicht schlechter werden. Die Gruppe kennzeichnet ihn. Das betrifft jeden Menschen. Sag mir, was deine Freunde sind, …! (Hier ist nicht facebook gemeint) Es gibt aber Gruppen auf verschiedener Ebene: solche, mit den man persönlich eng zusammen ist, Gemeinschaften unter äußerem Zwang wie die „Arbeitskollektive“, größere Gemeinschaften gemeinsamer Anhängerschaft wie Fans (am ausgeprägtesten und dauerhaftesten im Fußball) usw..
Sofern sich das Gruppenmitglied zugehörig fühlt, will er dies auch äußerlich bekunden. Beim Fußball reicht zur Not der Vereinsschal. Aber eben irgendwas, was man sieht.
Dem „Fremden“, um den es bei „Fremdenfeindlichkeiten“ geht, sieht man sein Fremdsein schon vor der Sprache an. Soll also jemand mit dunkler Haut sich deutsch schminken oder mit einem Schild herumlaufen „Ich bin blond und deutsch!“?
Auch wenn er das täte, behielte er seine „Behinderung“, sein fremdes Aussehen, dass ihm ständige „Integration“ aufzwingt. Er hat meist keine Chance: Jede Gruppe macht nur Sinn, wenn es jemanden gibt, der NICHT dazugehört. Wenn also alle dazugehören, gehören die eben NICHT dazu, die ständig beweisen sollen, dass sie dazugehören. (Die werden, wenn sie nicht stark genug sind, eben besonders gemobbt.)
Sind alle „Gruppen“ gleichwertig, also sozial gleich, dann kann „Fremdenfeindlichkeit“ nur ein „Spaß“ sein. Sobald aber die ganze Gesellschaft als Hierarchie aufgebaut ist, bedeutet jede Gruppenbildung den Versuch, nicht auf der untersten Sprosse der Leiter zu stehen. Es soll immer noch Schlechtere geben, deren Existenz begründet, dass an selbst etwas Besseres ist. (Deshalb taucht Fremdenfeindlichkeit besonders stark in Zeiten auf, in der allgemeine Abstiegsängste begründet sind.) Das ist doch ein Trost: Wenn ich schon ein Arsch bin, so bin ich wenigstens ein deutscher Arsch“.
Mir persönlich graute es davor, sollten DIE MENSCHEN alle so sein wie ich – traurige Menschheit. Als „kommunistisch“ sehe ich an, sich selbst gerade deshalb toll zu fühlen, weil die Anderen eben anders sind … und – so wie ich – gerade deshalb gebraucht werden, weil sie anders, also nicht so wie ich sind …

Staubschicht und Mottenfraß am Marxismus – Was Arbeit (beim Rotfuchs) ist (6)

Eine eigene Frage ist die der gesellschaftlichen Notwendigkeit. Ich meine sie hier ausdrücklich im Sinne der Abgrenzung zum Spielen. Spielen ist häufig auch gesellschaftlich ausgeführte Bearbeitung von Arbeitsgegenständen mit Arbeitsmitteln. Aber ob eben vier Kinder eine wunderschöne Sandburg bauen, mag vieles sein, für ihre Entwicklung sogar notwendig, für die Gemeinschaft von Menschen aber nicht (bzw. nur „vorbereitend“) Übrigens kann man schon bei einem Schneemann geteilter Meinung sein.

Wenn wir es vermochten – und da liegt mein Problem mit solchen „Marxismus-Interpretationen“ wie denen des Professor Dieckmann – 1. uns stärker als menschliche Gemeinschaft zu betrachten und deshalb 2. die Notwendigkeit von einzelnen Arbeiten mehr aus tatsächlichen inhaltlichen Zwecken herzuleiten als aus ihrer klassenbedingten Anerkennung, dann würden wir plötzlich eine Unmenge von Tätigkeiten als Nichtarbeit, unnütz, erfassen, die heute als Erwerbsarbeit erscheinen (primitivstes Beispiel: Tätigkeiten, die direkt oder indirekt dem „Kriegshandwerk“ zuzuordnen sind).

Sprich: Nachdenken über den Begriff der „Arbeit“ ist notwendige Voraussetzung zur inneren Verabschiedung von den geistigen Beschränkungen des kapitalistisch verseuchten Denkens.

Staubschicht und Mottenfraß am Marxismus – Was Arbeit (beim Rotfuchs) ist (5)

 Zurück zum Essen mit Messer und Gabel, meinetwegen zum Abschneiden saftiger Stücke vom Spanferkel: Spezifisch menschliche „Arbeit“ werden Nutzungen von Arbeitsmitteln (die auch Tieren bekannt sind), wenn dem Endzweck der eigenen Bedürfnisbefriedigung zumindest eine Handlung vorgeschaltet ist. Diese Handlung ist dann Arbeit. Im Menschwerdungsprozess war dies noch überschaubar. Es wurden Werkzeuge, Waffen produziert, die dann der Ernte oder dem Erlegen der Sättigungsobjekte dienten. Die Jagd bezeichnen wir aber nicht als Arbeit. Anders der heutige Normalfall: Die Büroangestellte berechnet Beziehungen, innerhalb derer ein Arbeiter ein Werkstück fertigt, das ein Fahrer zu einer Firma transportiert, dessen Einsatz eine Angestellte koordiniert, zu einer Firma, die die Werkstücke montiert, mit Maschinen, die andere Arbeiter gefertigt haben, mit Programmen, die andere Geistesarbeiter geschrieben haben, und angenommen der Montageschritt wäre schon der letzte (was er meist nicht ist), dann besteht noch eine Arbeit darin, den Kontakt zu dem herzustellen, der das Produkt braucht und das Produkt zu dem zu schaffen und diesen Vorgang so abzurechnen, dass jeder einen Teil zur eigenen Existenz erhält. Das Produkt aber verwendet der „Endabnehmer immer noch nicht zur Befriedigung seiner unmittelbaren Bedürfnisse, sondern um Mittel zu bekommen, um seine Bedürfnisse direkt befriedigen zu können – das Allgemeine Äquivalent Geld. Anders ausgedrückt: In einer unüberschaubar sich lang vom ersten Arbeitsgang bis zum Endzweck Bedürfnisbefriedigung erstreckenden Kette von Zwischengliedern wird die Wegverkürzung durch das allgemeine Äquivalent Geld zum vorgeblichen Zweck der Arbeit. Man verliert irgendwann deren eigentlichen einzigen Zweck, die Befriedigung von menschlichen Bedürfnissen in angemessener Qualität und Quantität aus den Augen.

Es entsteht der Eindruck, dass wenn jemand – historisch meist die Frau – für die Familiengemeinschaft kocht, putzt, die Existenzfähigkeit herstellt, dies keine Arbeit sei. Auch Professor Dieckmann teilt diese Ansicht als echtes „Kind“ der heutigen Zeit. Dabei unterscheidet diese Heimarbeiter von „gesamtgesellschaftlichen“ (?!) Heimarbeitern doch nur die Unmittelbarkeit ihrer Bezahlung. Oder „arbeitet“ jemand, der von zu Hause aus Programme für eine Firma schreibt, nicht mehr?

Staubschicht und Mottenfraß am Marxismus – Was Arbeit (beim Rotfuchs) ist (4)

Wie würde ich denn nun selbst „Arbeit“ definieren?

1.  Arbeit sind alle gesellschaftlich notwendigen menschlichen Tätigkeiten, die bewusst auf die Befriedigung von Bedürfnissen anderer gerichtet sind bzw. die zumindest die Befriedigung des eigenen Bedürfnisses nicht unmittelbar anstreben.

2. Arbeit sind alle menschlichen Tätigkeiten, die dabei ideell ihr Produkt und seine Bedürfnisse befriedigenden Wirkungen vorwegnehmen – einschließlich dieser Vorwegnahme selbst.

3. Arbeit ist dabei ein Prozess, der immer an mindestens eine Form der gesellschaftlichen Anerkennung gebunden ist und der sich immer im weitesten Sinne als gesellschaftlich ausgeführter Stoffwechsel mit der Natur und der menschlichen Gesellschaft als deren Teil vollzieht.

Warum so umständlich?

Das erste Problem ist das der „gesellschaftlichen Anerkennung“. Diese nimmt in der Entwicklung der Klassengesellschaften immer mehr die Form der Bezahlung an. Anders ausgedrückt: Als „Arbeit“ akzeptiert wird nur noch das, was sich als „Ware“ auf einem „Markt“ realisieren lässt. Der Gebrauchswert des Gutes tritt hinter seinen Tauschwert zurück.

Die Arbeit dieser Art nenne ich „Erwerbsarbeit“.

Darüber hinaus gibt es aber andere „Anerkennungen“, die allerdings in Zeiten, da man sich primär „etwas davon kaufen können“ muss, fast lächerlich erscheinen wie Achtung und Wohlwollen. Diese Anerkennungen haben Urgesellschaft und Kommunismus gemeinsam – und sie funktionieren mit wachsendem Abstand zu Klassengesellschaften.

Das Auf-die-Bedürfnisse-Anderer-Gerichtetsein bewirkt erst die entwicklungsgeschichtliche Dimension der „Arbeit“. Es ist natürlich NICHT die Arbeit als solche, die im Engelsschen Sinn „den Menschen erst geschaffen hat. Es ist der aus dem „gesellschaftlichen Charakter der Arbeit“ erwachsene Dauerdruck zu Kommunikation und Kreation. Also nicht nur das geistige Vorwegnehmen eines Ergebnisses, sondern die Notwendigkeit, dies anderen begreiflich zu machen.

Staubschicht und Mottenfraß am Marxismus – Was Arbeit (beim Rotfuchs) ist (3)

 Schwieriger wird es schon bei zwei anderen Abgrenzungen: Hobby und Spiel.

Auf den ersten Blick scheinen beide echte Gegenstücke zur Arbeit zu sein.

Doch nimmt man die vorliegende „Definition“, so dürften sie beide erfüllen, zumindest je mehr wir sie auf Erwachsene anwenden. Allerdings besitzen sie schon bei Kindern eine gewisse (!) Zweckmäßigkeit. zweckmäßige, bewusste Tätigkeit des Menschen, in der er mit Hilfe von Arbeitsmitteln Arbeitsgegenstände verändert und sie seinen Zwecken nutzbar macht. Durch die Arbeit verausgabt er seine Kräfte im Stoffwechselprozess mit der Natur . Wer sein Kind nach einem gelungenen Spiel-Nachmittag in Empfang nimmt, wird auch zugeben, wie sehr es seine Kräfte im Stoffwechselprozess mit der Natur verausgabt hat!..

Letzter Versuch:

Zumindest der Dieckmannsche Text scheint Arbeit von „Kunst“ abgrenzen zu wollen. Aber nehmen wir alle Künste, deren Ergebnis materiellen Charakter trägt, Skulpturen, Bilder usw. Ist nicht eindeutig, dass hier – ohne boshafte Spitzfindigkeiten – alle Definitionselemente zutreffen?

Drehen wir es um:

Wie sieht es mit Programmen aus, „immateriellen Gütern“, die nicht, oder solange sie nicht in der Form von „Arbeitsgegenständen“ vorliegen? Ist ihre Erschaffung dann keine „Arbeit“. Wenn ja – warum ist es ein zwischenzeitlich immaterielles Kunstwerk wie ein Lied nicht?

Es zeigt sich immer deutlicher, dass die bisher benutzten Kriterien zumindest unzureichend sind.

Wenn ich mich hiermit so ausgiebig befasse, dann deshalb, weil ich die Bedeutung der „Arbeit“ extrem hoch hängen würde und die Behauptung bereits aufgestellt habe, dass im Falle der „Kunst“ die Abgrenzung zur „Arbeit“ für kontraproduktiv halte, ja sogar behaupten möchte, dass im Kommunismus „Arbeit“ zum Element von Kunst und umgekehrt wird.

Staubschicht und Mottenfraß am Marxismus – Was Arbeit (beim Rotfuchs) ist (2)

 Wie definiert man nun einen Begriff?

Man benennt den – als nicht definitionsbedürftig anzusehenden – Oberbegriff und bestimmt die Besonderheiten, die den zu definierenden innerhalb dieses Oberbegriffes von anderen zum Oberbegriff zählenden Begriffen, die man nennen kann, aber nicht muss, abgrenzt. Man muss also zeigen, warum es überhaupt ein besonderes Wort für diesen Begriff gibt.

Dem ersten Kriterium wird die anfangs angeführte Definition gerecht: Arbeit ist eine „Tätigkeit des Menschen“. Diesen Gedanken entwickelte Engels vorrangig, um beispielsweise die BauARBEITEN der Termiten eben nicht als Arbeit in seinem Sinne dargestellt zu sehen. Seine Schrift sollte ja gerade einen Entwicklungsprozess beschreiben, der sich – zumindest unseres Wissens nach – bei den Insekten nicht vollzogen hat und vollzieht. Und …

Arbeit ist Verausgabung von Kräften im Stoffwechsel mit der Natur.

Dann kommen die Abgrenzungen: zweckmäßig und bewusst, Veränderung von Arbeitsgegenständen mit Arbeitsmitteln zu Zwecken des Menschen.

Das wird nicht weiter erläutert, vor allem die Zwecke nicht. Hier grenzt sich Engels unausgesprochen, aber richtig, gerade von allen klassenbedingten Beschränkungen ab. Es wird von ihm also „Arbeit“ gerade NICHT mit „Erwerbsarbeit“ gleich gesetzt.

Aber im Sinne eine Definition wäre natürlich zuerst zu fragen, was dann KEINE Arbeit ist.

Nehmen wir das Verspeisen eines Schweinesteaks mit Messer und Gabel. Zweckmäßig und bewusst wird dabei mittels Arbeitsmitteln auf einen Arbeitsgegenstand eingewirkt zum elementarsten Zweck Sättigung. Also Arbeit ja? Nein, denn es erfolgt keine „Verausgabung von Kräften im Stoffwechsel mit der Natur“, sondern zweifelsfrei werden überwiegend Kräfte aufgenommen.

Ergo zählen wir alle Tätigkeiten, die unserer Stärkung, abstrakter ausgedrückt: der unmittelbaren Befriedigung unserer Bedürfnisse dienen, nicht zu den „Arbeiten“.

Wie sehr es dabei auf jedes Wort ankommt, sehen wir an diesem Satz auch. Das entscheidende ist nämlich „unmittelbar“. Ließen wir es weg, wäre das Jagen, Schlachten und Kochen des Schweins (und das Servieren auf Tellern) keine Arbeit. So aber lässt die Arbeitsdefinition eine Köchin im Haushalt neben der Großküchenköchin als Arbeitende stehen – was aber innerhalb der Klassengesellschaften (und bei Professor Dieckmann) keine Anerkennung findet.

Staubschicht und Mottenfraß am Marxismus – Was Arbeit (beim Rotfuchs) ist (1)

  Natürlich hätte man fragen können, warum, wenn der „Rotfuchs“, die monatliche „Tribüne für Sozialisten und Kommunisten“, schon ein „ABC des Marxismus“ anbietet, dann schon an zweiter Stelle der Begriff der „Arbeit“ behandelt wird. Wenigstens dafür gibt es allerdings eine entwaffnende Ausrede: „Sie hat … den Menschen … geschaffen.“ … Was natürlich einschließt, dass sie den Menschen entwickelt. Auch steckt etwas Anderes dahinter: Rein logisch müsste der Begriff der „Arbeit“ ja dem der „Arbeiterklasse“ übergeordnet, zumindest ihm vorgeschaltet, ihm Sinn gebend sein.

Umso größer ist das Entsetzen, was dann ein marxistischer Professor daraus macht. Wir leben ja nicht zu Engels Zeiten, sondern im Jahr 2010. Engels beschäftigte sich mit dem „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“ in seiner „Dialektik der Natur“ sehr zweckgerichtet. Die Schrift verliert sofort ihre Wucht, wenn man ihr den Startgedanken raubt: Sie ist geschrieben in der immanenten Auseinandersetzung mit dem Gedanken der göttlichen Schöpfung des Menschen, seine Einmaligkeit und Unveränderbarkeit. Sie war gekoppelt an die frische Lehre Darwins.

Arbeit ist zweckmäßige, bewusste Tätigkeit des Menschen, in der er mit Hilfe von Arbeitsmitteln Arbeitsgegenstände verändert und sie seinen Zwecken nutzbar macht. Durch die Arbeit verausgabt er seine Kräfte im Stoffwechselprozess mit der Natur. Sie ist neben dieser die Quelle allen Reichtums in jeder Gesellschaftsordnung.

Eine hinlängliche Definition ist dies nicht. Zumindest nicht, wenn man die folgende Behauptung hinzuzieht, die eigentlich weitere Definitionsbestandteile impliziert / voraussetzt:

Der Kapitalismus beraubt einen stetig wachsenden Teil der Arbeitsfähigen (also nicht der zur Arbeit noch zu Jungen oder der Alten bzw. der wegen Krankheit oder Invalidität nicht Leistungsfähigen) des Rechts, im Stoffwechsel mit der Natur durch gesellschaftlich nützliche Arbeit ihre Kräfte zu erproben und ihr Menschsein zu entfalten. Die kapitalistische Gesellschaftsordnung hat nicht zuletzt aus diesem Grund auf längere Sicht keine Zukunft.

… Ganz unmerklich mogelt der Professor dem Begriff Arbeit das Attribut „gesellschaftlich nützlich“ unter und – was viel schlimmer ist – er suggeriert, dass Tätigkeiten, die sich nicht per Bezahlung aus dem kapitalistischen Verwertungsprozess heraus als Teil einer WARENproduktion „nützlich“ erweisen, dies auch nicht seien.

Im der „Definition“ folgenden Text setzt er – hoffentlich ohne dies zu wollen – Arbeit der mit Warenproduktion verbundenen, auf sie beschränkten „Erwerbsarbeit“ gleich. Damit erkennt er die Missachtung anderer ARBEITEN (!) durch die Klassengesellschaften an.

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