Zum anderen verstärkt es etwas, was nachher lautstark beklagt werden kann: die „Politikverdrossenheit“. Dieses Phänomen ist natürlich falsch benannt. Eigentlich geht es ja um die Verdrossenheit, die Wahl nur zwischen zwei sich immer mehr ähnelnden Übeln zu haben. Am eingefahrensten ist dies in den USA, wo „Demokraten“ und „Republikaner“ zwar verschiedene Kapitalgruppen bevorzugen, aber eigentlich austauschbar sind – wenn man von dem „Wagnis“ absieht, einen Präsidenten mit unkorrekter Hautfarbe ins Rennen zu schicken.
Entscheidend ist letztlich die Illusion, eine Wahl zu haben. Dabei spielt meist die Seite, die nicht die Regierung stellt, die Seite der Wünsche und die andere die der „Verantwortung“ … was dann praktisch heißt, ihr kleinen Bienchen, ihr müsst aber endlich (!) den Gürtel enger schnallen. Hin-her-hin-her …
Irgendwann muss es eigentlich passieren, dass die Masse sich als Verschiebemasse erkennt. Da muss doch noch etwas Anderes sein…???
Normalerweise führte das zur Suche nach Alternativen.
Mindestens europaweit mausert sich bereits die faschistische Alternative – letztlich also die Hoffnung, beim großen Schlagen diesmal ein größeres Stück abzugreifen.
Die Frage ist, wie lange es den Massenmedien gelingt, eine primitive aber einschmeichelnde Grundlogik in den Köpfen zu halten: sozialistisch-kommunistische wirkliche Systemalternative gleich zusammengebrochener Ostblock gleich Stasi + Securitate + Misswirtschaft. Bisher wird kaum auf linker Seite der in dieser Denkkette steckende Doppelfehler aufgedeckt, nämlich dass BEIDE Gleichsetzungen grundsätzlich falsch sind. Verbunden mit der massenweisen Furcht, tatsächlich eine grundsätzliche Alternative neu zu denken und anzupacken, legte dies einer Fortschrittsoffensive noch ausreichend hohe frontex-Mauern in den Weg. Aber historisch wäre das nur eine Frage der Zeit.


