Sind wir immer noch Papst?

Nein, ich möchte mich nicht in Diskussionen um Illusionen einmischen. Ich kenne den bisherigen argentinischen Kardinal in seinem Wirken nicht. Ob es ein gutes Zeichen ist, wenn er sich „Franziskus“ nennt? Oder dass er aus Lateinamerika kommt?

Ich gebe nur zu bedenken, dass der erlesene Kreis der Wahlmänner … pardon: wahlberechtigten Kardinäle … ihren Rang nicht von Gott sondern überwiegend von einem der historisch besonders reaktionären Papst erhalten haben, einem, der offene Faschisten und Holocaust-Leugner selig sprach. Ist denen zuzutrauen, dass sie einen fortschrittlichen Oberhirten zu ihrem Chef küren? Dann … Die Jesuiten haben sich in der Geschichte als besonders extrem reaktionär verhalten, waren beispielsweise führend in der Gegenreformation.

Der Glaube an das Gute kann die Tat für das Gute nicht ersetzen. Eigentlich aber brauchte die Welt Anregungen, die wachsenden Ungerechtigkeiten zu bekämpfen …

Der März-„Rotfuchs“ lässt auf Seite 24 eine australische Marxistin indirekt hierzu zu Wort kommen:

Rote Predigt

Die „Mauertoten“ der Gegenwart …

Die deutsche „BLÖD“-Zeitung würde beginnen: „Schande!!! Wir decken auf: Frontex verantwortet jedes Jahr mehr Tote als es je Mauertote gegeben hat! Weg mit dem Regime der Unmenschlichkeit! …“ Wir haben nur den „Rotfuchs“, der es seriös probiert. Vielleicht müssen auch wir lauter „Skandal!“ rufen. Denn dass praktische Einzelheiten des aktuellen Grenzregimes Skandal genannt werden sollten und unmenschlich sind, darüber sollten wir uns einig sein:

 

„An ihren Außengrenzen läßt die EU täglich Hungerflüchtlinge ertrinken

Frontex kennt keine Gnade

Im Oktober 2012 ereignete sich vor den Küsten Gibraltars eine Tragödie, die in den „freien“ und „unabhängigen“ Medien der BRD kaum einen Widerhall fand:

Ein völlig überladenes Boot mit etwa 70 Flüchtlingen, darunter zahlreiche Frauen und Kinder aus west- und zentralafrikanischen Staaten, war in akute Seenot geraden. Erst nach bangen Stunden und verzweifelten Hilferufen über Funk leitete der spanische Salvamiento Marítimo der Guardia Civil eine Rettungsaktion ein, an der auch zwei marokkanische Patrouillenschiffe beteiligt waren.

Sie nahm mehrere Tage in Anspruch. Nur 17 Personen konnten lebend geborgen werden. Marokko, wohin die Geretteten abgeschoben wurden, schickte sie sofort in ihre Herkunftsländer zurück. Doch die eigentliche Schandtat trug sich etliche Stunden vor der Bergungsaktion zu, als das Flüchtlingsboot bereits schwer in Seenot geraten war und man die ersten Toten beklagte. Zu jenem Zeitpunkt überflog eine Maschine der Frontex mehrmals die schon im Kentern begriffene Bark, um Fotos zu machen. Deren Besatzung leitete weder eine Rettungsaktion ein noch reagierte sie auf die verzweifelten Winksignale der Schiffbrüchigen. Ja, sie meldete die Situation des Bootes nicht einmal der Küstenwache. Überlebende berichteten später, es habe sich um ein Flugzeug mit deutschem Kennzeichen gehandelt.

Frontex ist die „Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Grenzen“. 2004 gegründet, bestehen ihre Aufgaben in der koordinierten Überwachung der EU-Außengrenzen sowie in der Heranbildung des Personals der Grenzsicherungsorgane in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten auf der Basis einheitlicher Standards. Vor allem geht es um die Überwachung von „Rückführungsaktionen“, also die Abschiebung von Flüchtlingen.

Mit anderen Worten: Frontex soll der EU die Ärmsten der Armen vom Halse halten. Für diesen Zweck wurden mehrere Einsatzgebiete mit wohlklingenden Codewörtern aus der antiken Mythologie geschaffen. So heißt die Region des östlichen Mittelmeers z.B. Poseidon, während das westliche als Nautilus und die Zone zwischen der afrikanischen Küste und den Kanarischen Inseln als Hera gilt.

Der Etat von Frontex ist seit 2004 ständig erhöht worden. Standen der Organisation zu Beginn nur „lächerliche“ 6,2 Millionen Euro zur Verfügung, so stieg der Etat bis 2011 auf 88 Millionen, anderen Quellen zufolge sogar auf 112 Millionen. Zugleich wird technisch zugelegt. Neben Flugzeugen und Schiffen kommen an den Grenzen immer mehr Drohnen und andere elektronische Überwachungsgeräte zum Einsatz.

Kaum beachtet wird, daß auf diese Weise – ganz nebenbei – eine neue „Mauer“ um Europa entsteht. Die Türkei errichtet mit dem Segen der EU einen „Grenzsicherungszaun“, um über Griechenland einströmende Flüchtlinge fernzuhalten. Wie man sieht, nimmt die angeblich so weltoffene „westliche Wertegemeinschaft“ ihre Abschottung sehr ernst.

Diese hat tödliche Folgen. So teilte Pro Asyl mit, im Jahre 2011 habe es an den Außengrenzen der EU 2000 Tote, darunter 1600 Bootsflüchtlinge, gegeben. Der Vorsitzende dieser Organisation bezeichnete das Mittelmeer als Massengrab. Statistische Angaben offiziellen Charakters über die Anzahl der Opfer gibt es nicht.

So bleibt es Nichtregierungsorganisationen (NGOs) überlassen, deren tatsächliche Zahl zu ermitteln. Seit Anfang der 90er Jahre befaßt sich auch „Fortress Europe“ – eigene Studien und Presseberichte zu Rate ziehend – damit. Durch diese Zählmethode wurden zwischen 1988 und 2009 nicht weniger als 14 687 ums Leben gekommene Flüchtlinge ermittelt. Bis 2011 stieg deren Zahl sogar auf 17 738. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen, da viele Leichen nie gefunden wurden. Immer wieder gibt es Berichte, daß total überladene und nur wenig seetaugliche Boote einfach ignoriert werden. Zahlreiche Menschen verdursten oder ertrinken. Es drängt sich der Verdacht auf, daß dieses massenhafte Sterben auf See gewollt ist, um weitere Immigranten abzuschrecken.

Die für diesen Massenmord verantwortliche EU bekam den Friedensnobelpreis groteskerweise, weil sie über Jahrzehnte hinweg den Frieden in Europa gesichert haben soll. Doch die EU ist in Wirklichkeit Kampfgebiet. Ihr Krieg richtet sich gegen Hungrige und dem Elend Entfliehende.

Der Grund für deren Not aber ist die Gier jener, welche sich im Westen als „Leistungsträger“ und „Eliten“ feiern lassen. Es sind Finanzhaie wie Josef Ackermann, dessen Geburtstag Frau Merkel ohne Skrupel im Kanzleramt ausrichten ließ.

Es ist reine Spiegelfechterei, den angeblich vereinten Kontinent zu feiern, dessen kombinierte Grenzorgane Angehörige anderer Völker eiskalt sterben lassen.

Während die Gemeinschaft des „europäischen Hauses“, dessen Schlüssel sich in bundesdeutschen Händen befinden, ihren vermeintlichen Zusammenhalt im Partykeller feiert, erfriert zur selben Stunde vor der fest verschlossenen Eingangstür ein Obdachloser. Die Bundeskanzlerin genießt es, sich in andere Länder zu begeben, um dort in ihrer penetrant besserwisserischen Art Demokratie und Menschenrechte einzufordern. Warum spricht sie nicht über die Toten im Mittelmeer, die sie auch durch ihr Schweigen auf dem Gewissen hat?

Jahr für Jahr werden im August die sattsam bekannten Horrorgeschichten über die „Berliner Mauer“ neu aufgelegt. Ich bedaure sehr, daß es dort Tote gegeben hat. Doch vermeintliche Bürgerrechtler, ein Großinquisitor a.D. und eine Templiner Pfarrerstochter, die zu den Toten an den Frontex-Grenzen schweigen, sollten keine Krokodilstränen über Peter Fechter und andere vergießen. …

Umzugsmeldung

Dieses Blog hat eine neue Heimat.

Ausgepackt wird jetzt H I E R !

Umerziehen a la Stalin oder a la Kapitalismus …

Der vorige Artikel von Günther Wassenaar zeigt sehr anschaulich, wie wichtig es ist, einander genau zuzuhören und festzustellen, wer WIR sind.

Erst einmal enthält der Artikel mehrere Aussagen, die ich auf keinen Fall mittragen würde. Dies sind alle die, die sich direkt auf Stalin beziehen. Es lohnt auch nicht, sich über einzelnen Quellen zu streiten: Man darf heute fast jede Lüge und Verdrehung verbreiten und abschreiben … da hat Günther methodisch zutiefst Recht: Es ist sehr hilfreich nach jenem „Wem nützt es“ zu fragen.  Das schützt vor den meisten Verirrungen. Allerdings ist ein Mensch nicht davor geschützt, in mehr oder minder tiefer Überzeugung, das Richtige zu tun, unmenschlich zu handeln und seiner eigenen Sache zu schaden.

Aber wichtiger ist eine Kernaussage von Günthers Überlegungen: Ich lese aus seinem Artikel die Annahme heraus, unter Stalin hätte es „Kommunismus“ gegeben oder zumindest, wir wären ihm praktisch näher gewesen als zu allen anderen Zeiten. Ich will nicht darüber diskutieren, welche der Stalin zugeschriebenen Greuel nicht wahr gewesen sind. Ich stelle auch nicht in Abrede, dass zu Stalins Zeiten besonders viel über „Kommunismus“ geredet worden ist.  Aber der Grundgedanke meiner Betrachtung zum Kommunismus ist eben, dass damals nicht nur kein Kommunismus war, sondern auch keiner sein konnte. Wahrhaft kommunistische Verhältnisse sind leider erst dann möglich, wenn auf der Welt keine Bedingungen mehr bestehen, die faschistische möglich machen. Ein „Staat“, dessen wichtigstes Produkt zu einem bestimmten Zeitpunkt T 34-Panzer waren und dessen wichtigste Forschung die Brechung eines feindlichen Atombombenmonopols kann beim besten Willen nur ein pervertierter Auswuchs dessen sein, was Marx, Engels und Lenin als Ziel gesehen haben. Da müsste ich sagen, wer diesen Zwischenzustand lobt – bei aller seiner Notwendigkeit – nützt den Verteidigern des Kapitalismus. Das Lobenswerte ist der Aufschwung des Sowjetlandes TROTZ seiner Klassenkampfkosten.

Die Gedanken, mit denen Günther seine These des „Umerziehens“ verteidigt, halte ich aber wiederum für zu wichtig als sie in Zusammenhang mit einem verstorbenen Stalin zu sehen. Wer „BILD dir deine Meinung“ sagt, (ver)bildet bereits die Meinung derer, die dies lesen. „Meinungen“ werden nämlich vorsätzlich und scheinbar vorsatzlos „gebildet“. Da wir immer nur Wahrheitsstücken aufnehmen können, ist jedes Stückchen bereits eingebettet in benutzte und vorhandene Vorurteile. Wir stehen heute vor einer unter gegebenen Bedingungen nicht abschließend lösbaren Aufgabe: menschlichen Verstand von seiner Primitivierung durch kapitalistische Verhältnisse zu befreien. Die Lösung kann nur marxistisch erfolgen, radikal: durch die weltweite Änderung der Eigentums- und damit der Machtverhältnisse als Ganzes.

Kommunismus ist machbar? Das ist nur ein Stück der Frage. Kommunismus muss gewollt werden – weil er vernünftig und unumgänglich zu Fortbestand des menschlichen Lebens auf der Erde ist.Also denken wir gut darüber nach, was uns daran hindern könnte, ihn zu wollen.

Letztlich zu den Fehlern, die wir (wieder) machen werden: Kommunisten brauchen den besonderen Mut, Wege begehbar zu machen, die einfach noch nicht ausgetreten sind.  Das macht kleine Irrtümer wahrscheinlicher. Deshalb aber sollten wir diejenigen besonders genau betrachten, die wir schon gemacht haben. Damit wir wenigstens die nicht (zu oft) wiederholen – und niemand die Fehler auf dem Weg zum Wesen des Weges erklären kann … wenigstens nicht zu Recht …

Diese Position zum „Umerziehen“ sollte man genau lesen: Es ist die Antwort von Günther Wassenaar auf mein „Wollen oder müssen …“

In dem Beitrag stehen gleich mehrere Positionen, die dazu beitragen, dass die Welt so ist wie sie ist.
Kommunismus ist eines der wichtigsten Schimpfworte – zumindest für diejenigen, die diese Gesellschaftsformation hassen wie keine andere. Es gibt keine Episode, die sie nicht erfinden, um der Masse der Menschen beizubringen (sie diesbezüglich zu erziehen) alles zu erdulden nur keinen Kommunismus, da dieser schlechter sei als alles in der Welt je da gewesene. Schon „Herr Göbbels“ hat dazu einige Beiträge beigesteuert, die zusammengefaßt noch heute neben dem Begriff Kommunismus noch schlimmeres darstellt – Stalinismus. (Übrigens dazu eine moderne Parallele der Begriff STASI – auch das ein Kampfbegriff der Reaktionäre gegen das komplette Volk, mit den gleichen Gräuelgeschichten und den gleichen Absichten. Wer will kann sie schnell durchschauen, wer nicht auf die Manipulierungen der bürgerlichen Presse hereinfällt.)
Marx war schlimm, er faßte wissenschaftlich zusammen, was man Kommunismus nennt, Lenin noch schlimmer, er verhalf dieser Gesellschaftsformation zu staatlicher Macht, indem er die Oktoberrevolution zum Sieg führte, aber Stalin hat der Welt bewiesen, dass diese Gesellschaftsformation sogar existieren kann. Das ist für Monopole und Kapitalisten zu viel. So lange sie sagen können Kommunismus – schöner Traum – aber nicht realisierbar, so lange ist alles gut – und dann schaffte es dieser verfluchte Stalin innerhalb kurzer Zeit einen Staat aufzubauen, in dem ein Gesundheitssystem entstand, mit kostenloser Fürsorge und ein Bildungssystem mit Zugang für alle Schichten der Bevölkerung. Wo aus einen feudalen Staat ein Industriestaat aufgebaut wurde. Dem konnte der real existierende Kapitalismus nichts entgegen setzen – außer dem Faschismus – herangezogen in vielen europäischen Staaten und zur Blüte gebracht in Deutschland. Seit dieser Zeit werden immer neue Gräuelgeschichten über die Taten dieses Verbrechers Stalin in die Welt gesetzt. Erst bei der letzten Blockade des NAZI-Aufmarsches in Dresden 2010, wurde die „These“ in Umlauf gebracht, dass die deutschen Städte durch die anglo-aerikanischen Bomber auf persönlichen Wunsch Stalins dem Erdboden gleich gemacht wurden. Die Amerikaner hätten so etwas nie gemacht. Stalin hat diesen persönlichen Wunsch auf dem Treffen in Casablanka vorgebracht, dabei natürlich die Stadt Dresden konkret benannt. Tatsache ist, dass dort die Bombardierungen beschlossen wurden, zwischen Amis und Engländern – aber Stalin hat an diesem Treffen nie teilgenommen.
Bisher habe ich noch keinen einzigen Menschen gefunden, der mir von den Gräueltaten Stalins berichtete und dabei konkrete und klare Quellen angegeben hat. Auf der anderen Seite gibt es eine Schrift, „Stalin – anders betrachtet“, in der die Zusammenhänge der damaligen Zeit mit umfangreichen Quellenangaben versehen ist – Quellen fast ausschließlich von Reportern des Westens die sich in dieser Zeit in der jungen Sowjetunion aufgehalten haben. (Kann ich gern per Mail zusenden, für diejenigen, die sich mit der Geschichte wirklich auseinander setzen wollen)
Wer sich mal ansieht, seit welcher Zeit sich der Kommunismus in der Defensive befindet, kann feststellen, dass genau zu der Zeit, asl der von Göbbels entworfenen Stalinismus seinen Weg um die Welt antrat, zu der Zeit als der Verräter Chrustchow, erstmals versuchte, die Sowjetunion zu liquidierwen, was erst seinem Nachfolger und größtem Arbeiterverräter Russlands, Gorbatschow, gelang, die Rote Fahne niedersank
Ich wurde so erzogen, dass ich bei allem und jedem, immer die Frage stelle, wem nutzt es?. Diese Weisheit haben mir Kommunisten beigebracht, über meinen Großvater, der schon bei den Matrosenaufständen dabei war und 1933 umgebracht wurde, meine Großmutter, die als erste Frau im Stadtparlament Köln´s saß, als KPD-Abgeordente, bis hin zu meiner Mutter.
Wer diese drei Worte nutzt, um seinen Standpunkt und seine politische Position zu überprüfen, kann nie fehlen – da er immer im Sinne der Arbeiterklasse und der Menschen im abhängigen Beschäftigungsbereich arbeiten, leben und kämpfen wird!
Was die „..Verzerrungen im ideologischen Klassenkampf“ betrifft, so muß ich zustimmen, dass dort viele Fehler begangen wurden, von Funktionären ebenso wie von ganz normalen Mitgliedern der kommunistischen Parteien, indem sie ihre Aufgabe als Mitglieder nicht gerecht wurden, Fehler die aufgearbeitet und analysiert werden müssen, damit derartige Fehler kein zweites Mal geschehen können – aber Fehler wird es auch bei der neuen Umgestaltung geben. Es ist nun mal kompliziert etwas vollkommen neues zu schaffen, etwas was es bisher noch nicht gegeben hat – und das vollkommen fehlerfei. Wer davon ausgeht ist der eigentliche Phantast.
Nun auch noch zu dem Begriff umerziehen. Alles was gegenwärtig läuft, ist eine Umerziehung der Massen gegen ihren Willen, ist Manipulierung und Verdummung. Von dieser Art, alles zu glauben, was nur oft genug wiederholt wird, ist es ein weiter Weg zur selbstbestimmten Lebensweise.Wer also aufbricht, den Menschen, den Massen eine andere Sicht auf das Leben zu ermöglichen, muß diese von der gegenwärtigen gegen sie selbst gerichteten Art zu leben auf eine andere bringen – er muß einen Erziehungsprozess in Gang setzen, der diese andere Sichtweise erst möglich macht, also muß er die Massen von der einen Art sie zu erziehen zu einer anderen Art bringen, also Umerziehen. An dem Begriff finde ich nichts abartiges. Auch dazu nochmals meine Empfehlung des Buches „Wie eine Meinung im Kopf entsteht“. Auch diese Schrift kann ich per Anhang zur Mail zusenden, da sie kaum noch erwerbbar ist. Eine Schrift, die mir geholfen hat viele Dinge ganz anders zu sehen, wie vor der Lektüre des Buches.

Wollen oder müssen wir wen „umerziehen“?

1. Es geht mir um Denkanstöße für die Fantatasie heutiger (meinetwegen „verzogener“ Menschen), sich vorzustellen, wie „Kommunismus“ wirklich sein muss. Die Verzerrungen im ideologischen Klassenkampf waren ja so „erfolgreich“, dass du kaum einen Menschen finden wirst, der nicht diese Form des Gemeinschaftslebens ablehnte … ohne sie überhaupt zu kennen bzw. indem er sie mit negativen Begleiterscheinungen der zuvor notwendigen Revolution gleichsetzt. Wir müssen wieder bis zu dem Punkt kommen, wo auch der „Durchschnittsbürger“ zumindest ahnt, dass „Kommunismus“ das ist, was er eigentlich will. DANN lässt sich auch leichter über den Weg zum großen Ziel reden …
2. Was mich an deinem Kommentar am meisten stört, ist das Wort „Umerziehung“. Ich hoffe ja, du meinst es anders … aber es atmet nunmal die Abluft von Maoismus und Stalinismus.
Der Ausdruck korrespondiert mit dem „anerzogenen Egoismus“.
Primär ist „Egoismus“ eine Ausdrucksform des tierischen Selbsterhaltungsinstinkts. Ein solidarisches, auf die Einheit von gemeinschaftlichen Interessen mit den eigenen, auf die Möglichkeit, eigenes Überleben über die Gemeinschaft zu erreichen gerichtetes Handeln ist es auch – aber auf der Basis eines höheren Verstandes. Und wir sollten den Urgesellschaftsgeist nicht glorifizieren: Er war nicht höher entwickelt als der der Brüller „Deutsche zuerst!“ – Die „Solidarität“ beschränkte sich auf die eigene Gruppe.
Ich nehme an, dass du mit „anerzogenem Egoismus“ jene scheinbare „Entideologisierung“ meinst, von der Droste meint, es sei ein Apparat, uns auf das Niveau von Sechsjährigen herabzudrücken.
Was immer wir tun, um unsere Zukunft als Menschen zu bewahren: Die „Umerziehung“ ist nur ein Nebenprozess kultureller Natur, der auf der weltweiten Beseitigung von solchen Eigentumsverhältnissen beruhen muss, unter denen „Egoismus“ „vernünftig“, weil „überlebensnotwendig“ ist.
3. Ich gebe zu, mir passiert es auch nicht selten, dass ich unangebracht verabsolutiere. Damit verstoße ich gegen den philosophischen Grundsatz von der Einheit und dem Kampf der Gesensätze, also gegen dialektisches Denken. Und unter diesem Gesichtspunkt möchte ich deiner Behauptung widersprechen, dass natürlich sind viele Menschen in der Zwischenzeit pure Egoisten …“ M.E. sind sie das viel weniger als es den Anschein hat. Denn was heißt „pur“? Gerade die Ereignisse um „Stuttgart 21″ brechen doch eine Lanze für einen gewissen „gesunden Egoismus“. Da handelten doch keine reinen Menschenfreunde oder gar „revolutionären Kommunisten“, sondern Menschen, die schlicht eine Verschleuderung ihres Steuergeldes und eine Missachtung ihres Denkens als Angehörige einer Gemeinschaft durch „ihre“ gewählten „Vertreter“ wahrnahmen.
4. „grenzenlose Vorbilder“ brauchen wir – und sei es nur des Vertrauens wegen, das wir zur Ablösung des Lobbyismus brauchen. Aber es reicht der „neue (Ausnahme)Mensch“ nicht aus. Wir müssen auch den „Egoisten“ den Weg zu mehr gesellschaftlicher Vernunft ebenen.

Dies war die Antwort auf einen Kommentar zu einem der „Kommunismus“-Artikel

Müssen wir uns der DDR schämen?

Die begonnene Reihe in „Marx modern“ „Wollen wir denn Kommunismus?“ wurde zwar schon häufig angeklickt, aber jetzt hat endlich jemand einen Kommentar zu einem der Artikel geschrieben. Ein „alter Genosse“, der sich – so wie ich – entschieden gegen das Klischee des „alten Genossen“ wehren darf, der aber zugibt, wir haben zugelassen, wie es kam.  Ich versuche Argumente zu sammeln, warum wir es zulassen mussten, dass es objektiv schwer war, anders zu handeln … gerade unter dem verbindenden Gedanken, dass die Welt einen Neuanfang in Richtung Sozialismus/Kommunismus braucht, um eine Zukunft zu haben. Wir müssen also so gut es geht die Fragen analysieren, was haben wir warum falsch gemacht – sprich: was müssen wir beim nächsten Mal anders machen – und woran können wir anknüpfen…

Übrigens: Günther ist zurecht stolz, ein kritischer Genosse gewesen zu sein. („Genosse“ darf durchaus als „Ehrentitel“ verstanden werden) Aber auch her hat letztlich NICHTS verändert. Die Frage ist warum …

Auf all die Vorwürfe, die hier in den Zeilen gegen den realexistierenden Sozialismus gemacht werden, möchte ich mit einer konkreten Situation, mich selbst betreffend antworten.
Etwa 1985 – 88 traten die Genossen der Abteilungsparteileitung Technik des Stickstoffwerkes, an mich heran und stellten die Frage, ob ich bereit wäre, in der nächsten APO-Leitung mitzuarbeiten. Kurze Zeit vorher hatte ich noch eine Parteistrafe bekommen, weil man eine (allerdings dumme) Protestaktion von mir, wenige Tage nach der Ausrufung des Ausnahmezustandes in der Volksrepublik Polen, polnisch verstanden hatte. Darauf angesprochen bekam ich zur Antwort, … das ist uns bekannt, und spielt keine Rolle. Ich sagte meine Genossen, dass ich noch ein weiteres Problem habe: „Ich bin mit der gegenwärtigen Politik unseres Staatsrates und des ZK nicht zufrieden, allerdings sei die Friedenspolitik, die seitens der DDR geleistet wird, für mich so wertvoll, dass ich allein wegen dieser wichtigen Position andere Fehler tolerieren werde und bereit sei unter dieser Prämisse mitzuarbeiten“ Meine Genossen waren sehr verblüfft, ich glaube so deutlich haben nur wenige Kritik geübt – konstruktive Kritik – aber bei der nächsten Wahl wurde ich mit aufgestellt und habe meine Arbeit, auch in der APO-Leitung, gemacht.

Was will ich damit sagen. Natürlich waren viele Ding weit von dem entfernt, was das Ziel eine sozialistischen, erst recht einer kommunistischen Gesellschaft entsprach. Immerhin wird jede Politik immer von Menschen gemacht und die arbeiten sehr unterschiedlich. Die Grundlagen, die Gesetze der DDR, ihre generelle Politik waren demgegenüber absolut positiv und menschlich. Zum anderen wird heute immer Kritik geübt, auch von solchen Leuten, die eventuell selbst politische Verantwortung getragen haben zu der Zeit. Wenn sie, jeder sich in den politischen Prozess eingemischt, wenn jeder politische Verantwortung übernommen hätte, hätte die DDR nie so verkommen können. Wir haben es so zugelassen – und wenn ich von wir rede, so meine ich auf jeden Fall alle Genossen der SED, die zugelassen haben, dass immer mehr Karrieristen in diese aufgenommen wurden und letztlich die Regie übernommen haben. Wie konnten ansonsten solche Subjekte wie ein Schabowski bis ins ZK kommen?

Auch in jedem neuen Anlauf, den Kapitalismus zu überwinden – und diese Überwindung ist lange überfällig, weil ansonsten die Menschheit keine Zukunft mehr hat – werden Fehler begangen, wird es Rückschläge geben und auch Ungerechtigkeiten. Trotzdem wird es keinen anderen Ausweg geben, als das gegenwärtige kapitalistische System mit Stumpf und Stiel auszurotten, als den Großkonzernen, der Finanzwirtschaft und den Grunstücksspekulanten das Handwerk zu legen. Nur so kann die gegenwärtige massive, die Menschheit bedrohende Kriegsgefahr, für die Welt gebannt werden und die gegenwärtig schon überfallenen und geknechteten Menschen vom Krieg entlastet werden. Kapitalismus bedeutet Krieg und Krieg ist nicht nur ein Menschenkiller – er ist auch ein Klimakiller, er ist auch ein Killer der Umwelt allgemein, ein Ressourcenvernichter, ein menschliche Arbeit verschlingender und somit den Fortschritt hemmender Faktor – der nur einen einzigen Zweck erfüllt – die Rüstungskonzerne, deren Aktionäre, die fast immer auch mit der Finanzwirtschaft liiert sind Super-Reich zu machen. Dafür werden Menschen getötet und andere geopfert. An dem Geld klebt Blut und das hat an den sozialistischen Armeen nicht geklebt, auch wenn man das im Rahmen des Afghanistankrieges der Roten Armee seitens der Gegner anlastet, damit sie ihren eigenen Krieg legalisieren und gegenüber ihrer Bevölkerung begründen können.
Günther Wassenaar
wassenaar@web.de